Zirkus, Zoo & Co.

In der Vergangenheit war es lange üblich, Menschen anderer Hautfarbe als exotische Wesen etwa in Zirkussen vorzuführen. Tiere werden bis heute zur Unterhaltung all jener, die sich daran erfreuen können, in Zirkussen und Zoos, sowie auf Jahrmärkten und Festen vorgeführt. In vielen Ländern gehört diese Praxis, vor allem soweit sie Wildtiere in Zirkussen betrifft, inzwischen auch der Vergangenheit an. In Deutschland ignoriert die Bundesregierung jedoch seit Jahren entsprechende Forderungen des Bundesrates. Dass sich ein Großteil der Bevölkerung gegen Zirkus mit Tieren oder Ponyreiten ausspricht, bleibt dennoch nicht unbemerkt. Immer mehr Städte untersagen heute solche Auftritte – aus gutem Grund.

Zirkusse

Dass Tieren in einem fahrenden Unternehmen kein artgerechtes Leben ermöglicht werden kann, liegt in der Natur der Sache. Auf geringstem Platz eingepfercht, Stunden in den Transportwagen von einer Stadt zur anderen transportiert, in stetiger Nähe zu Fressfeinden, ohne angemessene Beschäftigungsmöglichkeiten oder Sozialkontakte, entwickeln viele Tiere in Zirkussen psychische Störungen. Diese sind so häufig, dass ihre Symptome weithin bekannt sind, wenngleich ihre Ursache es meist nicht ist: das „Tigern“, also Hin- und Herlaufen von Großkatzen oder das „Weben“, das Hin- und Herschwenken von Elefanten, sind solche Verhaltensstörungen. Zu der unsäglichen Haltung kommt die Dressur, die bei vielen Tieren zwangsläufig mit dem Brechen des Willens beginnt. Einige Menschen, die einen Zirkus besuchten und kein offensichtliches Tierleid feststellen konnten, glauben daraus folgern zu können, dass es den Tieren gut gehe. Wie es erreicht wird, dass die Tiere all die zumeist völlig artfremden Kunststücke zur Schau stellen, wird der Öffentlichkeit jedoch nie gezeigt.

Pferdeshows und Ponyreiten

Auch bei Pferden, ob in Zirkussen oder eigenen glamourösen Pferdeshows vorgeführt, sind Verhaltensstörungen wie Weben oder Koppen keine Seltenheit, und lassen sich, wenn es denn möglich ist, die Tiere außerhalb der Manege zu beobachten – was von den Betreiber*innen meist gezielt verhindert wird – leicht feststellen. Pferde sind Fluchttiere und nicht dafür geschaffen, in der Manege einem Publikum vorgeführt zu werden, dass an den Tieren als um ihrer Selbst wertvollen Lebewesen nicht interessiert ist. Pferdeshows sind daher nicht besser als Zirkusse mit Tieren. Auf die Spitze getrieben wird die Monotonie und das traurige Dasein, das diese Tiere zur Belustigung anderer fristen, wenn Ponys stundenlang im Kreis laufen und dabei immer neue Kinder auf ihren Rücken tragen müssen. Im Interesse der Tiere können solche Veranstaltungen nicht sein – und im Interesse der Kinder sind sie nur deshalb, weil sie sich für Tiere interessieren. Könnten sie jedoch bereits durchschauen, was der vermeintliche Spaß für die Tiere bedeutet, würden diese jungen Tierfreunde ihn ebenso ablehnen, wie es jeder erwachsene Tierfreund tun muss.

Zoos

Zoos schmücken sich gerne mit der Aufgabe des Artenschutzes. Mit diesem Artenschutz wurde aber auch 2014 die Tötung der Giraffe Marius begründet, die publikumswirksam zerlegt und verfüttert wurde, weil man den „Genpul rein halten“ wollte. Tatsächlich gehört die Tötung gesunder Tiere zum Geschäft der Zoos – der Nürnberger Tiergarten tötet pro Jahr nach eigenen Angaben 15-30 (1). VENGA erfuhr von einer Tierparkpraktikantin, dass es üblich sei, Meerschweinchen an die Wand der Küche zu werfen, bis sie tot seien, um sie anschließend an größere Tiere zu verfüttern. Neben dem Fleischbedarf anderer Tiere ist die Populationskontrolle der Hauptgrund für die Tötungen. Tierbabys werden gern als Publikumsmagnet verwendet, danach aber oft getötet oder an dubiose Tierhändler*innen verkauft, weil man von diesen Tieren ansonsten keinen Nachwuchs benötigt.

Selbst abseits solcher Praktiken bleiben Zoos Gefängnisse für Tiere, die sich zum Teil ihrer Gefangenschaft sehr wohl bewusst sind. Tiere allein in Zoos erhalten zu wollen, kann kein ernstzunehmendes Ziel für eine bessere Zukunft sein, aber größere Auswilderungen finden so gut wie nicht statt, weil sie zu teuer sind. Hingegen werden durchaus weiter Tiere der Wildnis entnommen, um sie in Zoos zu präsentieren, oder in Delfinarien. Viele Tiere sterben beim Fang oder Transport. Bei Delfinen sind das etwa 40%(2).

Falknerei

Falkner*innen präsentieren uns ihre Falken gern als Partner, mit denen sie „zusammenarbeiten“. Am Anfang dieser „Zusammenarbeit“ mit dem Falken steht jedoch eine qualvolle Unterwerfung. Der Wille des Tieres wird gebrochen, beispielsweise indem der scheue Vogel auf einem Reck mit einer Schnur immer wieder auf die Faust des Falkners gezogen wird, oder in einer Wasserkammer fliegen gelassen wird, in der die einzige nicht tödliche Landung die auf der Falknersfaust ist, bis der Vogel aufgibt und „freiwillig“ auf die Faust des Falkners zurückkehrt. Und vor jeder Jagd steht schließlich Nahrungsentzug, damit der Vogel hungrig genug ist, Beute zu erlegen.

Fazit

Tiere sind nicht auf der Welt, um uns zu unterhalten. Auch, um Tiere kennenzulernen, taugen keine Orte, an denen sie in unnatürlicher oder jedenfalls stark begrenzter Umgebung gar nicht ihr natürliches Verhalten zeigen können – oder sogar gezielt unnatürliches zeigen sollen. Solange die Bundesregierung die überfälligen Einschränkungen der Belustigung auf Kosten der Tiere weiter aufschiebt, helfen nur Protest vor Ort und Appelle an die Lokalpolitik.

Quellen:

1: Spiegel Online, „Zoodirektoren über Zerlegung von Giraffe Marius: ‚Mutig und richtig‘“, 14.02.2014

2: Animal Rights Watch e.V.

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