Nachhaltigkeit

Klimawandel, Artensterben und andere massive menschengemachte Veränderungen bedrohen das Leben auf diesem Planeten in einem Ausmaß, dass es mehr als bloß angemessen erscheint, Umweltschutz zu einem Anliegen absoluter Priorität zu machen. Tatsächlich ist die Perspektive der Nachhaltigkeit neben jener der Tierrechte eine der stärksten Begründungen für die Verbreitung der veganen Lebensweise. Umgekehrt kann Nachhaltigkeit als ein eigener Bestandteil der veganen Idee begriffen werden. Dann freilich muss das Verständnis von Vegan über die bloße Vermeidung von Tier-Inhaltsstoffen hinausgehen.

Das Ausmaß des Problems

Klimawandel und Umweltzerstörung ist kein neues Problem. Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen warnten schon vor Jahrzehnten vor den weitreichenden Folgen unseres Handelns auf den Planeten. Da die Politik dies aber weitgehend ignorierte – und bis heute nicht hinreichend ernst nimmt – ist die Katastrophe heute weit fortgeschritten. Inzwischen konnten ökologische Belastungsgrenzen für zehn verschiedene Bereiche wie Klimakrise, Ozeanversauerung, Ozonloch, Süßwasserverbrauch oder Abholzung definiert werden. Es wird angenommen, dass ein Überschreiten dieser Grenzen unumkehrbare dramatische Folgen nach sich zieht. Der Zustand in zwei Bereichen, Verschmutzung durch Chemikalien und Partikelverschmutzung der Atmosphäre, konnte jedoch noch nicht umfassend berechnet werden. Mit der Klimakrise, dem Stickstoffkreislauf und dem Artensterben haben allerdings bereits drei Bereiche die Belastungsgrenzen bereits überschritten, der Phosphorkreislauf stand bei Beobachtungen im Jahr 2009 kurz davor. (1)

Nachhaltigkeit: ohne Veganismus nicht denkbar

„Man kann kein Umweltschützer oder ein Botschafter der Ozeane sein, ohne wirklich dahinter zu stehen und diesen Weg auch tatsächlich zu beschreiten. Man kann diesen Weg in die Zukunft, die Welt unserer Kinder nur gehen, wenn man dabei auf eine pflanzliche Ernährung setzt.“ So hat es James Cameron (Regisseur Avatar, Titanic) formuliert. Bereits 2010 stellte die FAO in einem Bericht fest, dass der Konsum tierischer Produkte dem Klima mehr schadet als der gesamte Verkehr und bezifferte den Beitrag an den weltweiten Treibhausgasemissionen auf 18% (2). Das World Watch Institute kam 2009 bei neuen Berechnungen auf ganze 51% (3). Allein fast die gesamte Vernichtung des Amazonasregenwaldes gehen auf das Konto der Tierhaltung: 70% der abgeholzten Flächen werden als Weiden verwendet und der Futtermittelanbau belegt einen Großteil der restlichen 30% (2). Tierhaltung ist zudem maßgeblich mitverantwortlich für sauren Regen und damit für das Waldsterben (4) und verbraucht enorme Mengen von Trinkwasser. Soviel Wasser, wie eine vegane Ernährung im Jahr theoretisch einspart, kann nicht durch eine Dusche fließen, wenn sie 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr betrieben würde.

Veganismus: ohne Nachhaltigkeit nicht denkbar

Vegan zu leben kommt üblicherweise mit dem Anspruch einher, das eigene alltäglich verursachte Leid auf ein Minimum reduzieren zu wollen. Um diesen Anspruch zu erfüllen, muss die vegane Idee darüber hinausgehen, nur keine Tierprodukte zu konsumieren, denn auch wenn dies eine notwendige Grundlage ist, reicht es insbesondere unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit nicht aus. Produktionsbedingungen einzelner Zutaten, sowie die Herkunft und Verpackung der Produkte, sind dann ebenso von Relevanz. Daher lehnt die vegane Bewegung zum Beispiel verstärkt Produkte mit Palmöl ab, für das der südostasiatische Regenwald maßgeblich zerstört wird.

Fazit

Für eine nachhaltige Lebensweise ist Veganismus ein notwendiger, aber nicht allein hinreichender Aspekt. Das Optimum ist diesbezüglich sicher eine biovegane verpackungsfreie Lebensweise mit regionalen Ressourcen. Das mag zwar ein schwer zu erreichendes Ziel sein, aber wer sich einmal für eine vegane Lebensweise entschieden hat, dürfte grundsätzlich bereit sein, sich ehrgeizige Ziele zu stecken. Und wenn man den Weg als das Ziel sieht, weiß man zumindest auch als vegan lebender Mensch, wohin dieser Weg, auch und gerade für die Gesellschaft als Ganzes, noch führen kann.

Quellen:

1: Johan Rockström, Stockholm Resilience Centre et al. 2009

2: FAO: Livestock’s long shadow – Environmental issues and options, 2006

3: WWI: Livestock and Climate Change, 2009 (http://www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf)

4: Umwelt, 2/04, Nährstoffe aus der Luft machen Waldböden sauer, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landwirtschaft (BUWAL).

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