Menschen- und Kinderrechte

Sind Menschenrechte oder Kinderrechte im Speziellen nicht wichtiger als Tierrechte, werden wir zuweilen gefragt. Diese Frage stellt sich jedoch nicht, wenn man für Tierrechte eintritt: Nach dem Prinzip der Gerechtigkeit, welches besagt, dass gleiche Interessen gleich berücksichtigt werden müssen, ist es unerheblich, ob ein Mensch oder ein Tier, ein Freund oder der Bürger eines weit entfernten Landes um sein Leben fürchten muss, Schmerzen hat oder ein Unglück erfährt. Wenn die Interessen gleich sind (was, zugegeben, nicht immer leicht zu bestimmen ist), sollten sie auch gleich gewichtet werden. Unser eigenes Interesse am Leben, an Freiheiten und Glück wiegt, prima facie, nicht stärker, als diejenigen von Anderen. Wer Tierrechte fordert, darf Menschenrechte also nicht ignorieren!

Tiere und Menschen müssen in ihrer Wichtigkeit übrigens in keiner Weise gegeneinander aufgewogen werden. Schließlich geht es bei Menschenrechten nicht um das Recht auf Bratwurst, das gegen das Recht des Schweins auf Leben und Unversehrtheit abgewogen werden müsste. Wenn wir aber Menschen betrachten, die um ihre Existenz bangen, passt nichts so gut zusammen wie die Forderung, die Nöte dieser Menschen zu berücksichtigen, und die Forderung Tieren basale Grundrechte zuzugestehen.

Welthunger und Wasserknappheit

Um den Welthunger und die zunehmende Wasserknappheit in ärmeren Gebieten der Erde effektiv zu bekämpfen, ist es vielleicht nicht hinreichend, aber notwendig, sich von Fleisch und anderen Tierprodukten zu verabschieden. Zur Herstellung von einem Kilogramm Fleisch braucht es je nach Tierart bis zu 16 Kilogramm Getreide(1). Getreide ist ein Grundnahrungsmittel. Fleisch hingegen ist ein Luxusprodukt, das auf Kosten der Hungerleidenden dieser Welt geht. 7 Milliarden Menschen bevölkern die Erde, Tendenz stark steigend. 12 Milliarden könnten laut UN „ohne Probleme“ ernährt werden (2). Doch nicht von Tierprodukten, die zunächst selbst ernährt sein wollen.

Auch sauberes Wasser als menschliche Lebensgrundlage schwindet zusehends. Dem Projekt für Weltwasserpolitik zufolge überzieht die Erde ihr „Konto“ an Grundwasser jährlich um 200 km³. (3) Das World Watch Institute stuft die Entleerung der wasserführenden Schicht, gemeinsam mit HIV und die Schrumpfung von fruchtbarer Erdfläche pro Person als eines der drei verheerendsten Probleme ein, welchen unsere Spezies gegenübersteht (4). Auch hier spielt unsere Ernährung eine zentrale Rolle: Nach Rechnungen von Professor David Pigmentel, Ökologie Abteilung der Cornell Universität sind 900 Liter sauberen Wassers pro Kg Weizen erforderlich, während 100.000 Liter pro Kg. Rindfleisch benötigt werden (5).

Fairer Handel

Selbstverständlich sind Menschenrechte nicht allein durch die Abkehr von Tierprodukten gesichert. Eine vegane Lebensweise, die versucht, Leid zu reduzieren, sollte jedoch umfassen, darauf zu achten, dass die Produktionsbedingungen von allem Konsumierten für alle Menschen und andere Tiere möglichst gut waren. Dazu gehört, Produkte aus fairem Handel zu kaufen oder gleich den Konsum entsprechend kritischer Produkte zu reduzieren oder einzustellen. Im Kleidungssektor ist auch Second Hand oft eine hervorragende Alternative.

Ausbeutung von Mensch und Tier

Die Ausbeutung und Missachtung von Menschen und anderen Tieren geht oft Hand in Hand. Ob in der Fleischproduktion, wo Billigarbeitskräfte aus dem Ausland geholt werden, um sie in deutschen Schlachthöfen arbeiten zu lassen, weil niemand, der eine echte Wahl hat, die Arbeitsbedingungen erdulden würde, oder in der Lederproduktion, wenn man Kinder in giftiger Chemiebrühe stehen lässt, während sie an den toten Häuten arbeiten müssen.

Verbot von Kinderarbeit oder Recht auf Arbeit?

Heutzutage gibt es eine Kinderrechtsbewegung, in der sich Kinder selbst organisieren. Diese Kinder fordern mitunter ein Recht auf Arbeit. Grundlage ist hier jedoch nicht der Wunsch, zu arbeiten, sondern das Bedürfnis, zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen, die in vielen Ländern eben anders kaum über die Runden kommt. Diese Forderung damit zu beantworten, Kinderarbeit hinzunehmen, wäre jedoch zynisch. Sie zeigt vielmehr, dass ein reines Verbot von Kinderarbeit unzureichend ist. Wir appellieren daher an die Politik, Kinderarbeit weltweit auch faktisch überflüssig zu machen. Erst wenn Kinder nicht mehr das Gefühl haben, für ihre Familie arbeiten zu müssen, kann ihnen die Entscheidung zugestanden werden, ob sie arbeiten wollen.

Fazit

Die Ausbeutung von Menschen ist ebenso wie die anderer Tiere abzulehnen. Da die Ausbeutung von Mensch und Tier oftmals zusammen auftritt, brauchen wir uns nicht fragen, ob wir Menschen oder Tiere mehr Bedeutung beimessen wollen. Die Frage ist, ob wir dem Leben Bedeutung beimessen. Die Konsequenzen sind eindeutig und sollten die Entscheidung für eine vegane Lebensweise beinhalten. Eine vegane Lebensweise wiederum muss neben den Belangen von Schweinen, Kühen, Hühnern und anderen auch die von Menschen berücksichtigen. Besonders Kinder sind ganz ähnlich wie Tiere wehrlos und werden entsprechend leicht zu Opfern der Mächtigen. Sie sind davon abhängig, dass andere ihre Rechte einfordern und verteidigen.

Quellen:

1: US Department of Agriculture Economic Research Service, veröffentlicht in Mark Gold and Jonathon Porritt, The Global Benefits of Eating Less Meat 2004, p. 23

2: We Feed the World, 2005; Artikel „Das tägliche Massaker des Hungers – Wo ist Hoffnung?“ metall Nr. 5/2006

3: International Water Management Institute

4: Worldwatch News Release „A Demographically Divided World“ April 10, 1999

5: R. Goodland & D. Pimentel, Sustainability and Integrity in the Agriculture Sector, Ecological Integrity: Integrating Environment, Conservation and Health, D. Pimentel, L. Westra, R. F. Noss (eds), Island Press, 2000.

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