Leder

Echtes LeidenLeder – was ist das eigentlich? Ein Stück bearbeitete Tierhaut, soviel ist weitgehend bekannt. Dazu gibt es viele Annahmen darüber, was Leder sei – umweltfreundlich etwa und ein Abfallprodukt der Fleischindustrie. Wir stellen Fakten vor, die das Tierprodukt in einem weniger harmlosen Licht erscheinen lassen und erklären, warum Leder mehr als einen Grund liefert, gleich zwei Industrien zu bekämpfen.

Woher kommt Leder?

Diverse Tierarten werden ausschließlich oder in erster Linie wegen ihrer Haut gezüchtet oder gejagt. Neben Schlangen, Eidechsen oder Krokodilen gilt das etwa auch für Zebras und Kängurus, deren Haut zwar nicht den Großteil der Lederproduktion ausmacht, bei prominenten Herstellern von Lederschuhen aber durchaus beliebt ist.(1)

Ein großer Teil des Leders kommt von so genannten Nutztieren – vor allem von Rindern, aber auch Ziegen, Lämmer, Schweine, Hirsche und Pferde müssen für das weit verbreitete Material herhalten.(2) Das Rindsleder wiederum stammt nicht automatisch aus den Abfalleimern deutscher Fleischfabriken. Wie es um die Produktion von Leder bestellt ist, zeigt ein einfacher Vergleich: In Deutschland hat die Lederindustrie heute noch etwa 3.500 Beschäftigte. Dabei zählt sie zu den drei größten Lederindustrien Europas. In der indischen Lederindustrie aber sind es der Beschäftigten um die 2.500.000.(3) Die große Nachfrage nach Leder allerdings ist keinesfalls global, sondern kommt vor allem aus Ländern wie USA, Großbritannien und Deutschland.(4) Leder ist also vor allem ein Importprodukt aus weit entfernten Ländern. Ländern wie Indien, in denen die Kuh eigentlich heilig ist und nicht verspeist wird, die aber in Kolonialzeiten zur Lederproduktion für die Armee angetrieben wurden und sich seither als Lederhersteller auf dem Weltmarkt etabliert haben.(3) Und die Lederindustrie in Deutschland? Selbst sie arbeitet zu einem bedeutsamen Teil mit bereits teilfertigem Leder aus Osteuropa. Deutsche Rinderhaut bleibt aber deshalb nicht völlig unverarbeitet. Sie findet sich z.B. in Hundefutter „für gute Haut“.(5)

Letzten Endes können wir nur ahnen, wessen Haut in den Schuhen, die wir im Laden sehen, verarbeitet wurde. 2012 unterzogen mehrere europäische Organisationen für Verbraucherschutz 16 der großen Markenschuhhersteller einem Ethiktest. Keines der Unternehmen konnte mit Sicherheit Angaben zur Herkunft des Leders machen oder zu den Bedingungen, unter denen es produziert wurde.(6)

Tierleid

Wir kennen die erbärmlichen Bedingungen der Massentierhaltung. In Indien aber kommen die Tiere von armen Familien, denen sie von der Lederindustrie unter Lügen über ihr Schicksal abgekauft werden. Statt Massentierhaltung herrscht hier eine andere Grausamkeit: Die Tiere werden bei Entzug von Wasser und Nahrung und durch Brechen ihrer empfindlichen Schwänze oder dem Einreiben der Augen mit Chilipfeffer gezwungen, weite Strecken durch die Wüste zurückzulegen, um sie in Gegenden zu bringen, wo ihre Tötung legal ist. Die Hälfte der Kühe ist tot, bevor der Schlachthof erreicht wird. Wer dort noch lebt, bekommt mit stumpfen Klingen den Kopf abgesägt.(4)

Sklaverei

Viele, die auf Rinderfarmen arbeiten, tun dies als moderne Sklaven. Lügen über Arbeitsinhalt und Lohn führen sie beispielsweise in Brasilien tief in den Regenwald, wo sie von den Vorgesetzten vollständig abhängig sind, den versprochenen Lohn nicht erhalten und bei Nachfrage tagelang misshandelt werden.(6)

Umweltzerstörung und Gesundheitsschädlichkeit

Die Rinderhaltung in Brasilien zerstört für Weiden und Futtermittel den Regenwald.(7) Die Lederherstellung selbst setzt so stark Umweltgifte frei, dass sie die Raab (Österreich) oder den Ganges (Indien) vergiftete.(8;3)

Seit dem frühen 20. Jahrhundert verwendeten Gerbereien Chromsulfat. Das verkürzte den Gerbungsprozess von mehreren Monaten auf drei Tage, war aber Gift für das Grundwasser. Am Ende des Jahrhunderts schließlich wurden auch in Indien diesbezüglich Umweltauflagen eingeführt. Diese werden bis heute von den meisten Gerbereien nicht umgesetzt. Die Belastung der Umwelt wirkt sich unter anderem mit Fehlgeburten und Leukämie auch auf die Menschen aus.(3)

Selbst das Tragen von Lederschuhen gefährdet die Gesundheit. Eine schwedische Studie untersuchte Lederschuhe namhafter Marken. Preisunabhängig enthielten die Schuhe gefährliche, teils verbotene Stoffe, darunter das als krebserregend geltende Chromat, Arsen, Blei und Quecksilber.(9)

Fazit

Es gibt wieder einmal zahllose Gründe, von dem Tierprodukt – hier Leder – Abstand zu nehmen. Gleichzeitig gibt es gute Alternativen, etwa bei avesu.de.

Der Pelzindustrie gehen Tierschutz-Kampagnen schon lange an den Kragen. Wir finden, die rücksichtslose Grausamkeit der Lederindustrie gegenüber Tier, Mensch und Umwelt schreit geradezu danach, endlich auch der Lederindustrie den Kampf anzusagen – und damit auch der Fleischindustrie, die aus dem Verkauf der Häute, ob für Leder oder andere Produkte, zusätzlichen Profit schlägt.

Quellen:

1: http://forcechange.com/7755/stop-killing-kangaroos-for-shoe-leather/ (Petition)

2: http://de.wikipedia.org/wiki/Leder

3: Bellwinkel-Schempp, Maren: Globale Produktion und globale Verantwortung: indische und deutsche Leder- und Schuhindustrie. In: Südasien, Zeitschrift des Südasien Büros, Vol 25, Jahrgang No 1, 2005, S. 5-10

4: Film „Earthlings”

5: http://www.fressnapf.de/shop/carne-kausticks?gclid=CMba9Jn31q0CFcFJ3godFT4Oow

6: http://help.orf.at/stories/1696255/

7: FAO: Livestock’s long shadow – Environmental issues and options, 2006

8: http://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/dokumente/Factsheets/umweltgifte_chronologie_raab_2011.pdf

9: http://www.zeit.de/2011/18/GL-Lederherstellung

© Bild auf der Übersichtsseite: soylent-network

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