Honig

auswahl honigIst Honig ein geringeres Problem, weil es nur um Insekten geht oder weil das Produkt ohne Grausamkeit gewonnen wird? Tatsächlich ist die Honigproduktion für die Bienen kein Zuckerschlecken – höchstens im wortwörtlichen, aber nicht im übertragenen Sinne. Und so abhängig, wie wir von Bienen sind, erschiene es in höchstem Maße ignorant, ihr Leid nicht zu berücksichtigen.

Kontrolle statt Natur

Honig wird bei weitem nicht so naturnah gewonnen, wie gern vermittelt wird. Vielmehr geht es darum, die Kontrolle über die Bienen zu gewinnen und zu behalten. Dazu muss insbesondere die Königin dem Willen des Imkers oder der Imkerin gehorchen. Ansonsten wird sie getötet und ersetzt. (1) Um den Honig überhaupt für den menschlichen Konsum aus dem Waben der Bienen extrahieren zu können, ohne dass das sich eigentlich davon ernährende Bienenvolk stirbt, wird als Ersatz eine Zuckerlösung bereitgestellt, die für die Bienen jedoch weniger nahrhaft ist und sie für Milbenbefall anfälliger macht. Die perfekte Kontrolle über die Bienen, die den Honig, sowie auf großen Monokulturen angebaute Lebensmittel wie kalifornische Mandeln bereitstellen soll, misslingt. In der Folge trägt der gescheiterte Versuch mit zum Bienensterben bei – einer der größten Katastrophen unserer Zeit, die, so prognostizierte Albert Einstein, am Ende auch zum Aussterben der Menschheit führen könnte.

Der Tod in der Honigproduktion

Tötungen sind regelmäßig Teil der Kontrolle beziehungsweise der wirtschaftlichen Profitmaximierung. So wird häufig Drohnenbrut vernichtet, weil Drohnen nichts zur Honiggewinnung beitragen. Königinnen werden getötet, wenn ihre Eierproduktion nachlässt oder schon viel früher, wenn diese für das Bienenvolk elementaren Tiere nicht den Erwartungen entsprechen. Je mehr Eingriffe vorgenommen werden und je größer die beteiligten Maschinen (in der industriellen Honigproduktion), desto mehr Tiere werden im Produktionsprozess zum Beispiel zerquetscht. Ihr Tod wird billigend in Kauf genommen, da das einzelne Individuum – von den Königinnen abgesehen – hier nichts zählt. Aber auch ganze Völker werden ausgeräuchert, wenn sie zu unproduktiv oder von Milben befallen sind. Ohne massive tödliche Maßnahmen gegen Milben, für welche die durch Züchtung manipulierten Bienen heute so anfällig sind, funktioniert das System Honigbiene ohnehin nicht mehr.

Bienen helfen

Durch den Konsum von Honig ist Bienen nicht geholfen. Sinnvoll sind vielmehr Insektenhotels, die Wildbienen Zuflucht bieten. Wer entkräftete Bienen am Straßenrand findet, kann versuchen, sie mit etwas Zuckerwasser aufzupäppeln, denn auch wenn dieses als regelmäßige Nahrung nicht taugt, kann es kurzfristig die nötige Energie verleihen. Da einigen Studien zufolge auch Handygespräche dazu führen können, dass Bienen die Orientierung verlieren und sterben, wäre ein bedachter Umgang mit Mobiltelefonen möglicherweise ebenfalls sinnvoll.

Fazit

Von der einzelnen Biene, deren Lebenswerk ein Teelöffel Honig ist, über die Bienenvölker, die den Honig für ihren Nachwuchs generieren, bis hin zum Bienensterben, an dem die kontrollierte selektive Zucht der Honigbiene Mitschuld trägt, gibt es mehr als genug Gründe, Honig durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen und vielleicht weitere Konsumentscheidungen und Gewohnheiten zu überdenken.

Quellen:

1: Dokumentarfilm „More Than Honey“

2: http://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/bienensterben-handystrahlung-stresst-honigsammler/4170400.html; http://www.zeitenschrift.com/artikel/rotten-handystrahlen-unsere-bienen-aus#.VaKbl_m3F5Y

© Bild auf der Übersichtsseite: soylent-network

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