Fell, Wolle, Daunen & Seide

FellPelz und Leder erfordern offensichtlich wie schon Fleisch den Tod eines Tieres, um sie als Mensch zu verwenden. Nicht anders ist es auch bei Fellen. Tatsächlich verkaufen einige Unternehmen, die sich verpflichtet haben, auf den Handel mit Pelzprodukten zu verzichten, noch Fell, etwa von Lämmern, mit dem Verweis darauf, dass es sich eben nicht um Pelz handle. Der Unterschied ist jedoch rein definitorisch, festgemacht an der Dichte der Haare. Lämmer, die für ihr Fell getötet werden, sterben oft besonders früh: Das Fell von neugeborenen Lämmern enthält feste Kringel, die sich nach dem dritten Lebenstag auflösen würden. Um diese aber zu erhalten, werden einige Tiere bereits am ersten oder zweiten Lebenstag getötet.(1)

Bei weiteren unter anderem in Kleidung verarbeiteten Tierprodukten wie Wolle und Daunen hingegen sterben die Tiere nicht direkt, um diese Materialien zu erhalten. Das weitgehend erhebliche Leid, das mit der Haltung dieser Tiere und der Entnahme der Wolle oder Daunen verbunden ist, sollte jedoch Grund genug sein, auch hier pflanzliche Alternativen zu bevorzugen.

Schafswolle

Schafswolle

Schafswolle

Schafe setzen von Natur aus Wolle an, keine Frage, jedoch nicht damit wir sie „ernten“, sondern um im Sommer wie im Winter gegen extreme Temperaturen gut isoliert zu sein. Tatsächlich ist die Schur bei domestizierten Schafen oft erforderlich, weil sie die Wolle nicht mehr hinreichend selbstständig verlieren. In dem Moment aber, wo das Interesse hinter der Haltung von Schafen ein wirtschaftliches (Verkauf von Wolle) ist, muss die Schur oft so schnell gehen, dass es zu Verletzungen der Tiere kommt. Zudem kann eine Zucht, die Tiere zu möglichst ertragreichen Maschinen macht – und hier unterscheidet sich die Schafzucht für Wolle vom Prinzip her nicht von der Kuhzucht für Milch – nicht im Interesse der Tiere sein. Das Extrem hiervon sind die Merino-Schafe. Merino-Schafe sind so gezüchtet, dass ihre Haut Falten bildet – sodass besonders viel Wolle ansetzen. So viel, dass sie im Sommer zu viel für die Tiere ist. Viele sterben an Hitzeschlägen. Außerdem legen Fliegen ihre Eier in die Hautfalten. Um dem entgegen zu wirken, versucht man glatte harte Flächen am Schafshinterteil zu erzeugen – in dem man (ohne Schmerzmittel) tellergroße Stücke Fleisch von den lebenden Tieren abschneidet. Natürlich legen die Fliegen ihre Eier oft erst recht in die Wunde, bevor diese vernarben kann. Wer das für eine Ausnahmeerscheinung hält, irrt: Aus Australien kommt ein großer Teil der weltweit verkauften Wolle.

Andere Wolle

Kaninchen Fell (Angora)

Kaninchen Fell (Angora)

Angora-Wolle stammt zu 90% von chinesischen Kaninchen. Selbst wenn sie zur Schur fixiert werden, versuchen sie sich zu entwinden, sodass die Messer oft tief ins Fleisch schneiden. Die männlichen Kaninchen werden oft direkt nach der Geburt getötet – weil sie etwa ein Viertel weniger Wolle ansetzen als die weiblichen Tiere.

Cashmere ist die feine Unterwolle von Ziegen aus China oder der Mongolei. Cashmere-Ziegen wird ihre Unterwolle mit Drahtbürsten schmerzhaft aus dem Fell gerissen. Auch hier werden nicht weniger als 50-80% der Tiere allerdings schon als Jungtiere getötet, weil ihre Wolle nicht den Anforderungen entspricht. (1)

Daunen

Daunen stammen von Gänsen mit weißen Federn. Die Geschwister mit grauem Federkleid leiden und sterben in der Stopfleberproduktion. Während einige Gänse nach ihrer Tötung für die Fleischproduktion gerupft werden, werden andere dreimal in ihrem kurzen Leben lebendig und ohne Betäubung gerupft, mit den Flügeln eingeklemmt zwischen den Beinen der Rupfenden. Die Tiere versuchen sich zu wehren und es kommt zu Schmerzen, Flügel- und Beinbrüchen, sowie blutenden Wunden. Eine sichere Kennzeichnung, die eine Unterscheidung zwischen Daunen, die nur nach dem Tod der Tiere herausgerissen wurden und solchen, die ihnen lebendig entrissen wurden, gibt es nicht. So liegt es nahe, auf Daunen grundsätzlich zu verzichten, ob man die Tötung der Tiere für den Weihnachtsbraten ebenso ablehnt wie den Lebendrupf oder nicht. Tatsächlich besitzen synthetische Dämmstoffe ohnehin die besseren Dämmeigenschaften(2). Wer eine ökologische Alternative sucht, findet sie in der Faser Kapok, die auch „Pflanzendaune“ genannt wird.

Seide

Der Herstellungsprozess von Seide oder dem in der Kosmetik beliebten Seidenprotein ist weitgehend unbekannt, dabei sterben hier die meisten Tiere. Seide ist die Faser, aus welcher der Kokon gemacht ist, in dem sich Seidenraupen zu Schmetterlingen verpuppen. Ehe der Schmetterling schlüpfen könnte, wird der Kokon in siedendes Wasser geworfen, was die Raupe tötet und es ermöglicht, die Seide zu erhalten, ehe die fortgeschrittene Metamorphose den Kokon angreift. Pro Kilogramm Seide müssen so zwölftausend Tiere sterben. Weitere tote Insekten und Umweltschäden entstehen, wenn für dasselbe Kilo Seide mehr als 700.000 Kilo Maulbeerblätter unter Einsatz von Spritzbeton und Pestiziden als Futtermittel gewonnen werden müssen(3). Alternativen zu Seide finden sich etwa in Viskose oder Bananenseide.

Quellen:

1: People for the Ethical Treatment of Animals

2: Al Schneider, „Down-Filled Clothing vs. Synthetics,“ Letters, The Washington Post Health Section, Jan. 16, 1990.

3: http://www.vegane-gesellschaft.org/meide-seide-denn-seide-ist-genommenes-licht-2

© Bild auf der Übersichtsseite: soylent-network

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