Eier

Eier„Ich wollt ich wär ein Huhn, ich hätt‘ nicht viel zu tun“. Mit Liedern wie diesen wird Kindern früh beigebracht, dass die Aufgabe des Huhns das Eierlegen ist und das auch noch mit Leichtigkeit und womöglich Freude vonstattengeht. Nichts ist weiter von der Wirklichkeit entfernt und manipuliert Kinder mehr als solche fatalen Darstellungen.

Vergaste Küken

Für die Produktion von Eiern werden ständig neue Legehennen gebraucht. In den riesigen Brutschränken der Zuchtfirmen schlüpfen tausende Küken. Wenn sie in der Nacht das Licht der Welt erblickten, landen sie am Tag auf einem Fließband, auf dem sie nach Geschlecht sortiert werden. Die männlichen Küken landen dabei auf dem Band, das direkt in einen Schredder führt. Die Küken fallen noch lebendig hinein und sterben durch die rotierenden Klingen. Die zweite beliebte Methode zur Tötung der unerwünschten Küken ist das Vergasen. Neben den männlichen Küken erleiden auch zu spät schlüpfende weibliche Küken dasselbe Schicksal. Zwar haben verschiedene politische Instanzen in Deutschland erkannt, dass das Töten der Küken mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar ist, aber bislang wurde noch kein Verbot dieser Praxis realisiert – zumal unklar ist, was mit all den männlichen Tieren passieren soll, wenn die Eierindustrie weiter Eier produzieren soll, ein männliches Huhn aber auch weiterhin keine Eier legt und sich zur Fleischerzeugung – es hierfür zu benutzen, wäre vermutlich die der Politik zumeist vorschwebende Alternative – nicht rentiert, weil andere Zuchtlinien mehr Fleisch ansetzen, während diese Zuchtlinien eben auf Legeleistung optimiert wurden.

Die Qual des täglichen Eierlegens

Fast täglich sollen die Hennen ein Ei legen, etwa 300 Stück im Jahr. Anders als im Kinderlied ist das ganz und gar nicht wenig. Im Vergleich zu der Zahl von Eiern, die ein Huhn natürlicherweise legen würde – ein Gelege im Jahr – ist es das zehn- bis zwanzigfache. Die Hochzüchtung, spezielles Legefutter, und der in der Natur angelegte Mechanismus, dass Hühner geraubte Eier zu ersetzen versuchen, machen diese Mengen möglich – das aber auf Kosten der Tiere. Nach nur einem Jahr des Eierlegens sind sie am Ende ihrer Kräfte, ausgelaugt, gepeinigt und gezeichnet von Eileiterentzündungen oder Knochenbrüchen, weil das Calcium für die Eierschalen irgendwo herkommen muss, haben die Tiere meist auch großflächig Federn verloren. Mehr als 10% der Hennen sind zu diesem Zeitpunkt bereits an ihren unsäglichen Lebensbedingungen gestorben. Jetzt, nach nur diesem einen Jahr, werden jedoch in aller Regel auch die übrigen Hennen getötet, weil die Zahl der Eier, die sie legen, leicht abnimmt – und schon sind sie für das auf Wirtschaftlichkeit optimierte System nicht mehr tragbar.

0, 1, 2 und 3

Bio-Legehennen

Bio-Legehennen

Andere Haltungsformen wie die Freilandhaltung versprechen artgerechte(re) Hühnerhaltung. Die Kriterien, die erfüllt sein müssen, um die Eier mit einer vermeintlich tierfreundlichen 1 (Freilandhaltung) oder 0 (biologische Erzeugung) schmücken zu können, sind jedoch eine Farce. Der geforderte Auslauf ist oft nur theoretisch gegeben, es fehlt der Bewuchs der Flächen, der nötig wäre, damit die Hühner den Platz auch nutzen würden. Doch selbst wenn die Hühner ins Freie kommen und dort Auslauf finden und nutzen: Das erste halbe Jahr der Aufzucht – einschließlich der getöteten Geschwister – ist für all diese Tiere gleich, erst am Ende dieser Zeit werden sie auf die unterschiedlichen Haltungsformen aufgeteilt. All diesen Tieren wird in einer schnellen, maschinellen Prozedur der Schnabel gekürzt – schnell bedeutet auch oft fehler- und schmerzhaft. Und auch auf dem Biobauernhof sollen die Tiere täglich Eier produzieren. Auch hier werden sie zu zigtausenden gehalten und üblicherweise nach einem Jahr getötet und durch neue, produktivere ersetzt. Und schließlich werden auch bei Undercoverrecherchen in Bio-Hühneranlagen immer wieder zahlreiche tote und verletzte Tiere gefunden, inmitten ihrer immer schwächer werdenden Artgenossen.

Fazit

Hühner gehören – als unfreiwillige „Fleischlieferanten“ und Eiererzeuger, zu den am meisten missbrauchten Tieren. Ihr natürliches Bedürfnis nach einem vollständigen Nest hat man sich zunutze gemacht, um die Tiere zu einer Produktionsleistung zu zwingen, die bis ans Äußerste an ihren Kräften zehrt. Der Tod von Tieren wird nicht nur in Kauf genommen, er ist praktisch die Grundlage der Eierproduktion. Die tierfreundliche Alternative sind nicht diese oder jene Eier. Die tierfreundliche Alternative sind keine Eier. Auch zu Wurst aus Fleisch kann Wurst aus Ei keine Alternative sein, da die Zahl der tierlichen Opfer hier eher noch höher liegt. Mit dem Gedanken an die Tagesqual des Huhns sollte sich indes auch jeder Wunsch nach einem Frühstücksei leicht überwinden lassen.

© Bild auf der Übersichtsseite: Ariwa

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