Bio

Masthuhn Bio

Bio Masthuhn

Viele Menschen hoffen, dass es Tierprodukte gibt, die mit gutem Gewissen konsumiert werden können – vom Bauern um die Ecke, oder solche mit Bio-Gütesiegel. Zwar ist uns allen eigentlich längst bekannt, dass die Bio-Tierhaltung in der Regel weit hinter den Versprechungen zurückbleibt, die wir mit ihr verbinden, aber die Überzeugung, dass mit mehr Geld auch mehr Qualität eingekauft wird, zu hinterfragen, ist unangenehm, wo man sich doch bereits Mühe gibt und nicht jedes Fleisch oder Ei kauft. Wenn wir bereit sind, sie zu hinterfragen, stellen wir in der Regel fest, dass die vermeintlichen Bio-Versprechungen nicht nur nicht eingehalten werden, sondern in Wahrheit so auch nie gegeben wurden. Glückliche Bio-Tiere sind eine Idealvorstellung in unseren Köpfen, die mit den Vorschriften wie mit der Wirklichkeit wenig bis nichts zu tun hat.

Was Bio anders macht und was nicht

Im Bereich der Tierhaltung liegen die wesentlichen klaren Vorgaben und Unterschiede, die Bio ausmachen, bei der Fütterung und dem den Tieren zugestandenen Platz. Die andere Fütterung garantiert hauptsächlich für Verbraucher*innen ein weniger belastetes Tierprodukt, den Tieren bringt sie wenig. Interessanter sind da schon größere „Lebensräume“. Diese beschränken sich allerdings immer noch auf einen Quadratmeter pro 6 Hühnern (12 bei mehreren Etagen) oder auf 2,3m² für ein 100 Kilo schweres Mastschwein. Eine saubere Trennung von Kot-, Liege- und Futterplatz ist dabei nicht möglich. Damit werden die konkreten Forderungen der Ökoverordnung ihren allgemein formulierten Zielen selbst nicht gerecht, in denen es zum Beispiel heßt: „Die Haltungspraktiken, einschließlich Besatzdichte und Unterbringung, müssen den entwicklungsbedingten, physiologischen und ethologischen Bedürfnissen der Tiere gerecht werden“. Auch sonst sind klingen viele Angaben nicht nach einer Verordnung, sondern eher nach einer Empfehlung, etwa wenn der Zugang zu „Freigelände“ lediglich „vorzugsweise zu Weideland“ sein soll und auch Betonbuchten genügen oder gar das „Leiden der Tiere, einschließlich Verstümmelung, […] während der gesamten Lebensdauer der Tiere sowie bei der Schlachtung so gering wie möglich zu halten“ sei (1). Was das bedeuten soll, bleibt völlig offen und täuscht auch völlig darüber hinweg, dass die Tötung von „Bio-Tieren“ in der Regel in denselben Schlachtbetrieben erfolgt, wie die von Tieren aus konventioneller Haltung. Ebenso ist die Aufzucht zum Beispiel von Legehennen für alle Tiere dieselbe, ob am Ende also die 0, 1, 2 oder 3 auf dem Ei steht: etwa ein Drittel ihres kurzen Lebens war für all diese Tiere identisch und keinen Bio- oder Ökostandards unterworfen. Damit deutet sich bereits an, dass die Herstellung von Tierprodukten im Bio-Bereich auch mit einigen der grundlegenden Probleme der Tierhaltung einhergeht – darunter das Schreddern oder Vergasen von Küken, die Trennung von Mutter und Kalb oder die Überzüchtung der Tiere, die nur als Qualzuchten rentabel sind.

Wie die „bessere“ Alternative zur schlechteren wird

In einigen wenigen Belangen mag die Bio-Tierhaltung etwas geringfügig besser machen, als die konventionelle – wenn es uns aber wirklich um die Tiere geht, können uns diese graduellen Unterschiede niemals reichen, zumal neue Probleme entstehen. So führt etwa der vorgeschriebene Verzicht auf den großflächigen Einsatz von Antibiotika dazu, dass der Anteil von Hühnern, die noch vor ihrer Tötung sterben, höher liegt als in der konventionellen Tierhaltung. Ansonsten leben die Tiere in der Biohaltung wenige Wochen länger, bevor sie getötet werden. Das klingt zunächst gut. Tatsächlich malen wir uns in unserer Tierhaltungsutopie vielleicht aus, dass die Tiere ihr Leben zu Ende leben dürfen. Dabei vergessen wir allerdings gern, dass ein längeres Leben der Tiere auch mit dem Bedarf an mehr Fläche, mehr Nahrung und mehr Wasser, sowie mit mehr Methanausstoß und anderen klimaschädlichen Faktoren einhergeht. Wenn wir stattdessen zu mehr Nachhaltigkeit gelangen wollen, müssen wir zugleich weg von der Tierzucht.

Fazit

Bio und andere alternative Tierhaltungsformen sind keine wirkliche Alternative, zumindest keine massentaugliche. Auch Bio ist längst meist Massentierhaltung und einen Großteil der Grundprobleme der Tierhaltung kann selbst der beste Wille nicht lösen. Vegane Ernährung ist eine echte Alternative, gesund, nachhaltig und ohne das Problem, Tieren gerecht werden zu müssen, die nicht als Mittel zum menschlichen Zwecke existieren sollten. Bei veganen Produkten lohnt es sich wiederum auf Bio zu achten, denn die konventionelle Landwirtschaft zerstört mittelfristig die Böden und Pestizide sind nun auch nicht wirklich vegan. Übrigens ist der Einsatz von Tierdung und –präparaten, wie er etwa bei Demeter vorgeschrieben ist, nicht erforderlich. Sie können zum Beispiel durch Leguminosen ersetzt werden. Die Zukunft liegt in einer bioveganen Landwirtschaft.

Quellen:

EG-BIO-Verordnung, Artikel 14 a-c und Anhang III

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